Wenn ein Welpe auszieht, beginnt für seine neue Familie eine wunderschöne Zeit. Gleichzeitig verändert sich für den kleinen Hund von einem Moment auf den anderen fast seine ganze Welt. Bis dahin waren da die Mutter, die Geschwister, vertraute Gerüche und bekannte Abläufe. Plötzlich fährt er an einen unbekannten Ort und soll verstehen, dass genau dort nun sein Zuhause ist.
Gerade deshalb glauben wir, dass die ersten Tage nicht davon handeln sollten, möglichst viel mit einem Welpen zu erleben. Sie sollten vor allem davon handeln, ihm Zeit zu geben, anzukommen.
Ein Mastiff-Welpe muss in den ersten Tagen nichts beweisen. Er muss noch nicht perfekt an der Leine laufen, Besucher begrüßen oder möglichst viele Übungen absolvieren. Für ihn ist bereits das neue Zuhause ein großes Abenteuer.

Der erste Tag darf ruhig sein
Die Vorfreude auf einen Welpen ist riesig. Oft möchten Familie und Freunde den neuen Bewohner möglichst schnell kennenlernen. Wir würden trotzdem empfehlen, den ersten Tag bewusst ruhig zu halten.
Der Welpe darf zunächst sein neues Zuhause entdecken. Wo ist sein Schlafplatz? Wo geht es nach draußen? Welche Menschen gehören jetzt zu seinem Alltag?
Manche Welpen laufen neugierig durch jeden Raum. Andere bleiben erst einmal dicht bei ihren neuen Menschen oder legen sich nach kurzer Zeit schlafen. Beides ist vollkommen in Ordnung.
Es gibt keinen Grund, einen vorsichtigen Welpen ständig zum Erkunden zu animieren. Ebenso muss ein neugieriger Welpe nicht sofort das ganze Haus, den Garten und die Nachbarschaft kennenlernen. Er darf selbst zeigen, wie viel er gerade aufnehmen kann.

Nähe schafft Sicherheit
Ein Welpe, der gerade Mutter und Geschwister verlassen hat, sucht häufig besonders viel Nähe. Das ist für uns nichts, was man ihm abgewöhnen muss. Er orientiert sich neu.
Unsere Mastiffs leben eng mit uns zusammen und sind echte Familienhunde. Deshalb finden wir es wichtig, einem jungen Hund von Anfang an zu vermitteln, dass seine Menschen verlässlich sind.
Das bedeutet nicht, dass der Welpe rund um die Uhr beschäftigt werden muss. Oft reicht es völlig, wenn er in der Nähe liegen, beobachten und schlafen darf.
Ein fester Liegeplatz hilft dabei. Er sollte nicht mitten im Durchgang liegen, aber trotzdem so, dass der Welpe am Familienleben teilnehmen kann.
Die erste Nacht muss nicht perfekt sein
Die erste Nacht beschäftigt viele zukünftige Welpenbesitzer schon lange vor dem Einzug. Wird der Welpe schlafen? Wird er weinen? Wo soll sein Schlafplatz sein?
Wir halten wenig von starren Regeln, die für jeden Welpen gleich gelten sollen.
Für einen jungen Hund ist die erste Nacht eine enorme Veränderung. Zum ersten Mal fehlen die vertrauten Körper und Geräusche des Wurfes. Deshalb darf man ihm Sicherheit geben. Ein Schlafplatz in der Nähe der Menschen kann den Übergang leichter machen.
Wie die Schlafsituation später aussehen soll, entscheidet jede Familie selbst. Wichtig ist vor allem, dass Regeln langfristig nachvollziehbar bleiben.
Nähe lässt sich auch geben, ohne etwas zu erlauben, das später nicht gewünscht ist – durch eine ruhige Stimme, eine Hand am Körbchen oder einfach die Anwesenheit im gleichen Raum.
Ein einfacher Rhythmus hilft
In den ersten Tagen braucht ein Welpe keinen minutiösen Tagesplan. Wiederkehrende Abläufe helfen ihm aber dabei, sich zu orientieren.
Nach dem Schlafen geht es nach draußen. Nach einer aufregenden Phase folgt wieder Ruhe. Kleine Erkundungen wechseln sich mit längeren Schlafphasen ab. So entsteht nach und nach ein Rhythmus, den der Welpe verstehen kann.
Gerade bei der Stubenreinheit ist Geduld wichtiger als Perfektion. Ein junger Hund muss zunächst lernen, wo er sich lösen soll. Missgeschicke gehören dazu und sind kein Ungehorsam.
Wir würden einen Welpen deshalb lieber einmal zu oft ruhig nach draußen begleiten, als ihn für etwas zu korrigieren, das er noch gar nicht verstanden haben kann.
Weniger Programm, mehr Beobachtung
Gerade in den ersten Tagen besteht schnell die Sorge, der Welpe könne zu wenig erleben. Dabei wird oft unterschätzt, wie anstrengend allein ein neues Zuhause sein kann.
Neue Räume, andere Stimmen, unbekannte Gerüche, Straßenlärm, Haushaltsgeräte und ein völlig neuer Tagesablauf liefern bereits viele Eindrücke.
Deshalb würden wir mit größeren Unternehmungen warten, bis der Welpe im neuen Zuhause sichtbar etwas sicherer geworden ist.
Die ersten Wege dürfen kurz sein. Ein paar Minuten vor der Haustür können für einen jungen Hund spannender sein als für uns ein ganzer Spaziergang.
Wenn der Welpe anschließend tief schläft, bedeutet das nicht, dass er am nächsten Tag noch mehr erleben muss. Ruhe ist ein wichtiger Teil seiner Entwicklung.
Ein Mastiff wächst schnell zu einem sehr großen Hund heran. Trotzdem bleibt er lange ein junger Hund. Gerade deshalb lohnt es sich, von Anfang an nicht Tempo, sondern Gelassenheit in den gemeinsamen Alltag zu bringen. Mehr dazu haben wir auch in unserem Ratgeber „Mastiff-Welpe und Bewegung – wie viel ist gesund?“ zusammengefasst.

Regeln dürfen freundlich und klar sein
Ein kleiner Mastiff-Welpe ist niedlich. Manche Dinge wirken in diesem Alter noch harmlos, die bei einem ausgewachsenen Mastiff ganz anders aussehen.
Deshalb überlegen wir gerne früh, welche Regeln später gelten sollen. Darf der Hund aufs Sofa? Wie soll er Besucher begrüßen? Darf er an Menschen hochspringen? Wo ist sein Ruheplatz?
Dabei geht es nicht darum, einen Welpen streng zu behandeln. Klare Regeln machen das Leben für einen Hund verständlicher.
Wenn heute etwas begeistert erlaubt wird und morgen plötzlich verboten ist, kann ein Welpe kaum wissen, was von ihm erwartet wird.
Freundlichkeit und Konsequenz schließen sich nicht aus. Für uns gehören sie zusammen.
Gerade bei einer Rasse, die später sehr groß und kräftig wird, schenkt gute Erziehung vor allem Freiheit.
Besuch darf warten
Natürlich möchten viele Menschen den neuen Welpen sehen. Trotzdem würden wir in den ersten Tagen lieber wenige ruhige Begegnungen ermöglichen als ein ständig volles Haus.
Der Welpe muss nicht von jedem Besucher hochgenommen oder bespielt werden. Er darf selbst Kontakt aufnehmen und sich zurückziehen, wenn ihm danach ist.
Auch Kinder sollten von Anfang an lernen, den Schlafplatz des Welpen zu respektieren. Ein schlafender Hund muss nicht gestreichelt werden, nur weil er gerade besonders süß aussieht.
Vertrauen wächst im Alltag
Die Bindung zwischen einem Hund und seinen Menschen entsteht nicht durch ein einzelnes großes Erlebnis. Sie wächst in vielen kleinen Situationen.
Wenn der Welpe nachts merkt, dass jemand da ist. Wenn er draußen kurz erschrickt und sich an seinem Menschen orientieren kann. Wenn er nach einem aufregenden Moment ungestört schlafen darf. Wenn Regeln ruhig erklärt werden und nicht jeden Tag wechseln.
Nach einigen Tagen wird aus dem fremden Haus langsam ein vertrauter Ort. Der Welpe kennt erste Abläufe und beginnt, seine Menschen immer besser einzuschätzen.
Was am ersten Tag noch neu und aufregend war, wird nach und nach selbstverständlich.
Die Grundlage dafür beginnt allerdings schon lange vor dem Auszug. Die ersten Wochen mit Mutter, Geschwistern, Menschen und den alltäglichen Eindrücken im Zuhause prägen den Start ins spätere Familienleben. Wie wir diese Zeit gestalten, beschreiben wir ausführlicher in unserem Beitrag „Vom Wurfzimmer ins Familienleben – wie wir unsere Mastiff-Welpen auf ihr späteres Leben vorbereiten“.

Unser Fazit
Der Einzug eines Mastiff-Welpen muss kein perfekt geplantes Ereignis sein. Viel wichtiger ist ein ruhiger Start mit Zeit, Nähe, verständlichen Regeln und genügend Möglichkeiten zum Schlafen und Beobachten.
Wir wünschen uns für unsere Welpen Familien, die nicht versuchen, in den ersten Tagen bereits einen „fertigen Hund“ aus ihnen zu machen.
Ein Welpe darf neugierig sein, unsicher sein, müde sein, Fehler machen und Schritt für Schritt lernen.
Wer ihm Sicherheit gibt und gleichzeitig von Anfang an einen verlässlichen Rahmen schafft, legt damit eine wunderbare Grundlage für das gemeinsame Leben.
Denn am Ende geht es in den ersten Tagen nicht darum, wie viel ein Welpe schon kann.
Es geht darum, dass er beginnt zu verstehen: Hier bin ich sicher. Hier gehöre ich hin.