Vom Wurfzimmer ins Familienleben – wie wir unsere Mastiff-Welpen auf ihr späteres Leben vorbereiten

Wenn ein Mastiff-Welpe zur Welt kommt, ist seine Welt zunächst noch sehr klein. Wärme, Milch, Schlaf und die vertrauten Gerüche seines Wurfes bestimmen die ersten Tage. Nur wenige Wochen später werden aus den hilflosen Neugeborenen neugierige kleine Persönlichkeiten, die ihre Umgebung immer bewusster wahrnehmen.

Für uns beginnt Sozialisierung deshalb nicht mit einem festen Trainingsprogramm. Sie beginnt mit Sicherheit, Nähe und dem Vertrauen, neue Dinge im eigenen Tempo entdecken zu dürfen.

Aus mehr als 30 Jahren mit Mastiffs wissen wir: Ein Welpe muss nicht möglichst viele Reize kennenlernen. Entscheidend ist, wie er eine Erfahrung erlebt und verarbeitet. Gute Sozialisierung bedeutet für uns kontrollierte, positive Begegnungen, ausreichend Ruhe und einen aufmerksamen Blick für den einzelnen Welpen.

Unsere English-Mastiff-Welpen wachsen mitten in unserem Familienleben und in engem Kontakt zu unseren erwachsenen Hunden auf. So entsteht Schritt für Schritt die Grundlage für einen ausgeglichenen Mastiff, der sich später an seinen Menschen orientieren kann.

Sicherheit und Vertrauen von Anfang an

Die wichtigste Rolle bei der frühen Sozialisierung übernimmt die Mutterhündin. Sie gibt ihren Welpen nicht nur Wärme, Nahrung und Sicherheit. Durch ihre Körpersprache, ihre Reaktionen und ihre Nähe vermittelt sie ihnen von Anfang an, wie Hunde miteinander kommunizieren.

Die Welpen lernen durch sie, Grenzen wahrzunehmen, sich zurückzunehmen und nach einer lebhaften Situation wieder zur Ruhe zu kommen. Sie erleben, wann Nähe erwünscht ist und wann ein anderer Hund Abstand benötigt. Keine noch so sorgfältige menschliche Förderung kann diese Erfahrungen ersetzen.

Unsere Aufgabe besteht deshalb zunächst darin, der Mutterhündin einen geschützten und ruhigen Rahmen zu geben. Wir begleiten diese frühe Zeit aufmerksam, unterstützen sie und greifen nur ein, wenn es notwendig ist. So kann sie ihre Welpen sicher und möglichst natürlich führen.

Gleichzeitig werden die Kleinen behutsam mit uns Menschen vertraut. Sie hören unsere Stimmen, werden bei den täglichen Kontrollen vorsichtig aufgenommen und erleben ruhige Berührungen. So wächst neben der Bindung zur Mutter allmählich auch das Vertrauen zum Menschen.

Fawnfarbener English Mastiff Welpe liegt auf einer Decke und hebt spielerisch eine Vorderpfote.
Die Mutterhündin ist in den ersten Lebenswochen die wichtigste Bezugsperson und Lehrmeisterin ihrer Welpen.

Alltag statt Reizprogramm

Sobald sich Augen und Ohren öffnen und die kleinen Pfoten sicherer werden, wächst auch die Neugier. Die Welpen nehmen Stimmen und Bewegungen bewusster wahr, beginnen miteinander zu spielen und erweitern ihren vertrauten Bereich.

Unser ganz normaler Alltag bietet dafür viele wertvolle Erfahrungen. Geschirr klappert, eine Tür fällt ins Schloss, der Staubsauger läuft, draußen fährt ein Auto vorbei. Teppich fühlt sich anders an als Fliesen, Gras anders als der Boden im Wurfbereich. Auch neue Gegenstände, kleine Schwellen oder eine kurze Fahrt können zu einer Entdeckungsreise werden.

Dabei setzen wir die Welpen nicht möglichst vielen Eindrücken auf einmal aus. Wir beobachten, wie jeder Einzelne reagiert. Manche gehen sofort neugierig voraus, andere bleiben erst stehen, schauen und nähern sich später. Beides ist vollkommen in Ordnung.

Ein vorsichtiger Welpe wird nicht sicherer, indem man ihn in eine Situation drängt. Er darf Abstand halten, beobachten und selbst den nächsten Schritt machen. Ebenso braucht ein besonders neugieriger Welpe nicht jeden Tag ein noch größeres Programm. Entscheidend ist nicht die Menge der Erlebnisse, sondern dass sie positiv verarbeitet werden können.

Fawnfarbener English-Mastiff-Welpe sitzt neben einem großen bunten Ball im Garten
Manchmal reicht schon ein neuer Gegenstand, damit aus einem ganz normalen Moment eine kleine Entdeckungsreise wird.

Lernen mit Geschwistern und erwachsenen Mastiffs

Nach der Mutterhündin spielen auch die Geschwister eine wichtige Rolle in der sozialen Entwicklung. Beim gemeinsamen Schlafen, Spielen und Balgen lernen die Welpen, die Reaktionen anderer Hunde wahrzunehmen. Sie teilen Nähe, ziehen am gleichen Spielzeug und erfahren, dass ein anderer Welpe nicht immer genau das möchte, was sie selbst gerade im Kopf haben.

Im gemeinsamen Spiel erleben sie Körpersprache, Reaktionen und erste Grenzen. Wir beobachten diese Situationen aufmerksam, müssen aber nicht jeden kleinen Konflikt für sie lösen. Auch das gehört zum Großwerden.

Später kommen behutsam Begegnungen mit geeigneten erwachsenen Mastiffs hinzu. Ein erwachsener Hund kommuniziert anders als ein gleichaltriges Geschwister. Er kann Ruhe ausstrahlen, eine klare Grenze setzen oder einen neugierigen Welpen einfach neben sich liegen lassen.

Nicht jeder Hund in unserem Rudel übernimmt dabei dieselbe Rolle. Unsere Mastiffs haben unterschiedliche Persönlichkeiten. Deshalb entscheiden wir bewusst, welche Begegnung zu dem jeweiligen Welpen und zum erwachsenen Hund passt. Sozialisierung bedeutet für uns auch hier nicht, Kontakte zu erzwingen, sondern sichere und wertvolle Erfahrungen zu ermöglichen.

English-Mastiff-Hündin mit mehreren gestromten Welpen und weiteren erwachsenen Mastiffs
Auch Begegnungen mit geeigneten erwachsenen Hunden gehören nach und nach zur Welt unserer Welpen.

Berührungen, Körpergefühl und Ruhe

Aus einem kleinen Mastiff-Welpen wird innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit ein sehr großer und kräftiger Hund. Deshalb soll der vertraute Umgang mit Menschen von Anfang an mitwachsen.

Pfoten werden vorsichtig angefasst, Ohren und Maul angeschaut und kleine Kontrollen in ruhige Alltagsmomente eingebaut. Der Welpe soll dabei nicht festgehalten oder zu etwas gezwungen werden. Er soll lernen, dass Berührungen, Pflege und spätere Untersuchungen nichts Beunruhigendes sind.

Auch unterschiedliche Untergründe und kleine, selbst gewählte Hindernisse fördern Körpergefühl und Koordination. Dabei gilt dasselbe wie bei der altersgerechten Bewegung eines Mastiff-Welpen: entdecken ja, Leistung nein. Gerade bei einer so großen Rasse achten wir darauf, die körperliche Entwicklung nicht zu überfordern. Mehr dazu erklären wir in unserem Beitrag über das Wachstum eines Mastiff-Welpen.

Mindestens ebenso wichtig wie jede neue Erfahrung ist die Ruhe danach. Welpen schlafen sehr viel und verarbeiten dabei, was sie erlebt haben. Deshalb muss bei uns nicht täglich etwas Neues passieren. Nach einem lebhaften Moment darf der restliche Tag ganz unspektakulär sein.

Zwei English-Mastiff-Welpen, einer fawnfarben und einer dunkel gestromt, liegen gemeinsam nebeneinander.
Neue Eindrücke sind wichtig – genauso wichtig sind aber die vielen Stunden, in denen einfach geschlafen und verarbeitet werden darf.

Jeder Welpe ist eine eigene Persönlichkeit

Schon innerhalb eines Wurfes zeigen sich früh deutliche Unterschiede. Einer steht bei etwas Neuem sofort in der ersten Reihe, ein anderer beobachtet lieber zunächst aus sicherer Entfernung. Für uns gibt es dabei kein richtig oder falsch.

Wir möchten unsere Welpen nicht in ein festes Schema pressen, sondern sie kennenlernen. Wie neugierig ist ein Welpe? Wann sucht er Unterstützung? Wie schnell findet er nach Aufregung wieder zur Ruhe? Diese Beobachtungen helfen uns nicht nur bei seiner Entwicklung, sondern auch bei der Wahl des passenden Zuhauses.

Denn nicht jeder Welpe passt automatisch zu jeder Familie. Alltag, Erwartungen und Persönlichkeit sollten möglichst gut zusammenpassen. Deshalb gehört der persönliche Kontakt mit den späteren Familien für uns ebenso zu einer verantwortungsvollen Aufzucht wie Gesundheit, Versorgung und Sozialisierung.

Eine Grundlage für das spätere Leben

Kein Züchter kann einem Welpen jede Situation zeigen, die ihm später einmal begegnen wird. Das ist auch nicht unser Anspruch. Wenn einer unserer Welpen auszieht, ist er kein fertiger Hund – und soll es auch nicht sein.

Wir möchten ihm eine stabile Grundlage mitgeben: Vertrauen zu Menschen, erste Erfahrungen mit dem Familienalltag, eine sichere Kommunikation mit anderen Hunden und die Fähigkeit, nach neuen Eindrücken wieder zur Ruhe zu finden. Er soll neugierig sein dürfen, ohne ständig etwas leisten zu müssen, und lernen, dass seine Menschen ihm Orientierung geben.

Nach dem Auszug führt die neue Familie diesen Weg weiter. Auch dann bleiben wir Ansprechpartner, denn unsere Verantwortung endet für uns nicht an der Haustür.

Weitere Einblicke in die ersten Lebenswochen zeigen wir in unserer Welpen-Galerie. Informationen zu zukünftigen Würfen veröffentlichen wir in unserer aktuellen Wurfplanung.

Denn am Ende ist uns nicht wichtig, dass ein Welpe möglichst viel erlebt hat. Uns ist wichtig, dass er Erfahrungen machen durfte, die ihn stärken – und dass er zu Menschen zieht, bei denen es langfristig passt.

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