Blutspende beim Hund – wenn ein Mastiff Leben retten kann

Dass auch Hunde Blut spenden können, wissen viele Menschen erst, wenn das eigene Tier plötzlich auf eine Transfusion angewiesen ist. Für uns ist die Blutspende beim Hund dagegen mit ganz persönlichen Erfahrungen verbunden.

Am 3. März 2020 spendete unsere English-Mastiff-Hündin Holly in der Tierblutbank Elversberg zum ersten Mal Blut. Später waren auch Miss Marple, Greta und Magnus an der Universitätsklinik Gießen zur Blutspende.

Damit haben bereits vier unserer Mastiffs anderen Hunden helfen können. Für uns ist das keine Selbstverständlichkeit, sondern eine besondere Möglichkeit, die Gesundheit, Kraft und Ruhe unserer Hunde sinnvoll für andere einzusetzen.

Die English-Mastiff-Hündin Holly sitzt mit einem Blutbank-Halstuch vor der Tierklinik Elversberg.
Holly nach ihrer Blutspende am 3. März 2020. Hinter jeder verfügbaren Blutkonserve steht ein gesunder Hund, dessen Menschen diese Hilfe ermöglicht haben.

Holly als unsere erste Blutspenderin

Holly war gut zwei Jahre alt, als wir sie erstmals zu einer Blutspende begleiteten. Bevor ein Hund als Spender aufgenommen wird, wird sorgfältig geprüft, ob die Blutentnahme für ihn gesundheitlich unbedenklich ist. Dazu gehören eine tierärztliche Untersuchung und die Kontrolle seiner Blutwerte.

Nach der Spende saß Holly mit dem Halstuch der Tierblutbank vor der Klinik. Für sie war es wahrscheinlich einfach ein ungewöhnlicher Termin mit vielen neuen Eindrücken und einer zusätzlichen Belohnung. Für uns bekam dieses Bild jedoch eine viel größere Bedeutung.

Holly hatte etwas gegeben, das sich nicht künstlich ersetzen lässt und einem schwer erkrankten oder verletzten Hund eine neue Chance ermöglichen konnte. Diese Erfahrung hat dazu geführt, dass die Blutspende beim Hund für uns nicht bei diesem einen Termin geblieben ist.

Wann benötigen Hunde Spenderblut?

Nach einem schweren Unfall, bei inneren Blutungen oder während einer größeren Operation kann ein Hund innerhalb kurzer Zeit viel Blut verlieren. Auch eine schwere Blutarmut, bestimmte Erkrankungen, Gerinnungsstörungen oder Vergiftungen können eine Transfusion notwendig machen.

Dabei wird nicht immer das gesamte gespendete Blut verwendet. Vollblut kann in rote Blutkörperchen und Plasma aufgeteilt werden. Rote Blutkörperchen werden vor allem bei starkem Blutverlust oder schwerer Blutarmut benötigt, während Plasma bei bestimmten Gerinnungsstörungen helfen kann.

Welches Blutprodukt ein Patient benötigt, entscheidet immer das behandelnde tierärztliche Team.

Blutprodukte sind außerdem nur begrenzt haltbar. Kliniken können ihre Vorräte deshalb nicht einmalig auffüllen und anschließend dauerhaft darauf zurückgreifen. Sie sind regelmäßig auf gesunde und geeignete Spenderhunde angewiesen – lange bevor der nächste Notfall eintritt.

Warum große Hunde besonders viel bewirken können

Bei einem geeigneten Hund kann als grober Richtwert eine Blutmenge von ungefähr einem Prozent seines Körpergewichts gespendet werden. Das entspricht etwa zehn Millilitern pro Kilogramm. Wie viel tatsächlich entnommen wird, entscheidet jedoch immer die jeweilige Klinik anhand des einzelnen Hundes und des verwendeten Spendesystems.

Ein großer und schwerer Hund kann deshalb mit einer Spende vergleichsweise viel Blut zur Verfügung stellen. Genau darin liegt eine besondere Stärke unserer Mastiffs.

Gleichzeitig richtet sich auch die benötigte Transfusionsmenge eines erkrankten Hundes nach seinem Körpergewicht und seinem medizinischen Zustand. Ein Mastiff kann im Ernstfall selbst eine erhebliche Menge Spenderblut benötigen. Wo ein großer Hund besonders viel geben kann, wird im Notfall möglicherweise auch besonders viel gebraucht.

Daraus ergibt sich für uns als Mastiffhalter eine besondere Verantwortung. Unsere Hunde bringen aufgrund ihrer Größe bereits eine wichtige Voraussetzung mit. Sind sie zusätzlich gesund, ausgeglichen und mit den notwendigen Untersuchungen gut vertraut, können sie als Blutspender besonders viel bewirken.

Diese Verantwortung ist für uns jedoch niemals mit Zwang verbunden. Nicht jeder große Hund ist automatisch ein geeigneter Spender.

Das Wohlbefinden des eigenen Hundes muss auch dann an erster Stelle stehen, wenn man einem anderen helfen möchte.

Blutspenderausweise von Magnus, Greta und Miss Marple mit der Blutgruppe DEA 1.1 negativ
Miss Marple, Greta und Magnus haben an der Universitätsklinik Gießen Blut gespendet. Bei allen drei wurde die Blutgruppe DEA 1.1 negativ dokumentiert.

Gemeinsam mit Holly waren damit bereits vier unserer Mastiffs Blutspender.

Mehr als Größe und Körpergewicht

Neben dem Gewicht zählen vor allem die Gesundheit und das Verhalten des Hundes. Die Voraussetzungen unterscheiden sich zwischen Tierkliniken und Blutbanken, üblicherweise sollte ein Spenderhund jedoch:

  • gesund sein und unauffällige Blutwerte besitzen,
  • das geforderte Mindestgewicht erreichen,
  • innerhalb des festgelegten Altersbereichs liegen,
  • ruhig, freundlich und gut händelbar sein,
  • keine Medikamente erhalten, die gegen eine Spende sprechen,
  • selbst noch keine Bluttransfusion bekommen haben.

Auch Impfstatus, frühere Erkrankungen, Auslandsaufenthalte und mögliche Infektionsrisiken können bei der Beurteilung eine Rolle spielen. Vor der Aufnahme als Spender wird der Hund deshalb gründlich untersucht. Je nach Spendeprogramm werden zusätzlich die Blutgruppe und weitere Werte bestimmt. Miss Marple, Greta und Magnus wurden in Gießen als DEA 1.1 negativ bestimmt. Die Blutgruppenbestimmung gehört zu den wichtigen Vorbereitungen, damit Spenderblut später möglichst passend und sicher eingesetzt werden kann. Ruhiges Verhalten lässt sich dabei nicht allein an der Rasse festmachen. Unsere Mastiffs sind sehr menschenbezogen und vertrauen uns auch in ungewohnten Situationen. Trotzdem schauen wir bei jedem Hund individuell darauf, wie er mit der Untersuchung und der Entnahme umgeht.

Zeigt ein Hund deutliche Angst oder erheblichen Stress, sollte er nicht zur Spende gezwungen werden.

Hilfe darf niemals auf Kosten des Spenderhundes entstehen.

Wie läuft eine Hundeblutspende ab?

Am Anfang steht die Kontaktaufnahme mit einer Tierklinik, Universitätsklinik oder Tierblutbank. Dort werden zunächst die wichtigsten Angaben zu Alter, Gewicht, Gesundheit, Medikamenten und möglichen Auslandsaufenthalten besprochen.

Ist der Hund grundsätzlich geeignet, folgt eine tierärztliche Untersuchung. Seine Blutwerte werden kontrolliert und je nach Spendeprogramm können weitere Untersuchungen sowie eine Blutgruppenbestimmung durchgeführt werden.

Für die eigentliche Entnahme wird eine kleine Stelle am Hals geschoren und desinfiziert. Das Blut gelangt über die Halsvene mit einem sterilen System direkt in einen Blutbeutel. Ein ruhiger und kooperativer Hund kann die Blutspende normalerweise ohne Sedierung bewältigen.

Die Entnahme selbst dauert meist nur wenige Minuten. Anschließend darf der Hund sich ausruhen und bekommt häufig Wasser, Futter oder eine besondere Belohnung. Größere körperliche Anstrengungen sollten für den restlichen Tag entsprechend den Hinweisen der Klinik vermieden werden.

Für einen entspannten Hund ist die Blutspende damit meist ein überschaubarer Termin. Für den Hund, der das Blut später benötigt, kann genau diese Spende jedoch entscheidend sein.

Vier Mastiffs, die helfen konnten

Mit Holly begann unsere persönliche Erfahrung mit der Hundeblutspende. Dass später auch Miss Marple, Greta und Magnus geeignete Spender waren, hat unsere Überzeugung weiter gestärkt.

Wir erzählen davon nicht, um die Blutspenden unserer Hunde als außergewöhnliche Leistung darzustellen. Die Hunde selbst wissen nicht, weshalb ihnen Blut abgenommen wird. Wir Menschen treffen diese Entscheidung für sie und tragen deshalb die Verantwortung für einen ruhigen, sicheren und respektvollen Ablauf.

Für uns bedeutet verantwortungsvolle Mastiffhaltung mehr, als nur auf die Gesundheit und das Wohlergehen unserer eigenen Hunde zu achten. Sie bedeutet auch, die besonderen Möglichkeiten dieser großen Hunde zu erkennen und dort zu helfen, wo es für den einzelnen Hund vertretbar ist.

Holly, Miss Marple, Greta und Magnus konnten helfen, weil sie gesund waren, die Voraussetzungen erfüllten und die Situation ruhig bewältigen konnten.

Darauf sind wir leise stolz.

Vielleicht kann auch Ihr Hund helfen

Wer einen großen, gesunden und ausgeglichenen Hund besitzt, kann bei einer Tierklinik oder Universitätsklinik in seiner Region nachfragen, ob dort Blutspender gesucht werden.

Manche Kliniken unterhalten eine feste Spenderkartei. Andere suchen zusätzlich Hundehalter, die in einem akuten Notfall kurzfristig erreichbar wären. Da Gewichtsvorgaben, Altersgrenzen und Untersuchungen unterschiedlich sein können, sollten die aktuellen Voraussetzungen immer direkt bei der jeweiligen Einrichtung erfragt werden.

Nicht jeder Hund kann Blutspender werden. Aber vielleicht gibt es deutlich mehr geeignete Hunde, als bislang bekannt sind – und viele Halter wissen lediglich noch nicht, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht.

Denn manchmal kann ein gesunder Hund einem anderen etwas schenken, das sich durch nichts ersetzen lässt: eine neue Chance.

Weitere Beiträge über Gesundheit, Entwicklung und das gemeinsame Leben mit dem English Mastiff finden Sie in unserem Mastiff-Ratgeber.

Unser Hinweis

Wir berichten hier als erfahrene Mastiff-Züchterinnen und Hundehalterinnen, nicht als Tiermedizinerinnen. Der Beitrag verbindet unsere persönlichen Erfahrungen mit allgemein zugänglichen Informationen und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Ob ein Hund Blut spenden darf oder eine Transfusion benötigt, entscheidet ausschließlich das behandelnde tierärztliche Team.

Weiterführende Informationen

Tierklinik Elversberg – Tierblutbank

Universitätsklinik Gießen – Informationen für Blutspender

Freie Universität Berlin – Blutspende beim Hund

Hat dir dieser Beitrag gefallen?
Nach oben scrollen